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Lunge und Atemwege

Häufigste Atemwegserkrankungen sind Asthma bronchiale, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Lungenemphysem, Lungenentzündungen und Lungenkrebs. Auch Atmungsstörungen im Schlaf, insbesondere die Schlafapnoe, sind häufig und oftmals nicht erkannt. Weitere wichtige Erkrankungen sind interstitielle Lungenerkrankungen, Lungenfibrosen und die Sarkoidose sowie Lungenbeteiligungen bei anderen Erkrankungen.

 
 
 

Asthma bronchiale

Das Asthma ist eine vielschichtige Erkrankung bedingt durch eine chronische Entzündung
in den Atemwegen mit einer Überempfindlichkeit auf unspezifische oder spezifische Auslöser sowie einer Bronchienverengung. Ursächlich sind genetische und äussere Einflussfaktoren. Typischerweise variieren die durch die Erkrankung ausgelösten Symptome wie Husten und Atemnot zeitlich und in ihrer Intensität. Die Erkrankung beginnt häufig im Kindes-, aber auch noch im Erwachsenenalter. Häufig ist eine Allergie inkl. Heuschnupfen oder eine Neurodermitis mit dem Asthma verbunden. Eine entsprechend fundierte Abklärung ist daher auch in Bezug auf die Therapie notwendig. Heutzutage ist das Asthma eine sehr gut behandelbare Erkrankung mit normaler Lebenserwartung. Optimal eingestellt bestehen keine Beschwerden im Alltag, auch Leistungssport ist möglich.


Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und Lungenemphysem

Die chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD, chronic obstructive pulmonary
disease) ist eine chronische, in der Regel fortschreitende Atemwegs- und Lungenerkrankung, gekennzeichnet durch eine nicht mehr reversible Atemwegsverengung. Sie wird häufig begleitet von einer chronisch obstruktiven Bronchitis und/oder einem Lungenemphysem. Das Lungenemphysem ist eine irreversible Erweiterung der Lungenbläschen und bedingt eine Abnahme der Gasaustauschflache der Lunge. Eine chronische Bronchitis ist wiederum durch einen dauerhaften Husten, in der Regel mit Auswurf, über mindestens ein Jahr definiert.
Der Krankheitsverlauf der COPD ist durch eine fortschreitende Verschlechterung der Lungenfunktion und eine zunehmende Beeinträchtigung des Befindens gekennzeichnet.
 
Es können akute, krisenhafte Verschlechterung (sog. Exazerbationen) auftreten. Eine solche akute Verschlechterung ist häufig von Viren oder Bakterien ausgelöst. Die COPD wird in den allermeisten Fällen durch inhalative Schadstoffe, in erster Linie Zigarettenrauchen, ausgelöst. Die Beschwerden sind typischerweise eine chronische Atemnotsymptomatik, ein chronischer Husten und bronchialer Auswurf. Die Atemnot tritt zunächst nur bei Belastung auf, in fortgeschrittenen Stadien auch in Ruhe. Die Diagnose wird aufgrund der typischen Symptomatik, den Lungenfunktionsbefunden und auch bildgebenden Verfahren wie der Computertomographie gestellt. Die Therapieziele richten sich auf eine Reduktion der COPD-typischen Symptome, die Senkung von Häufigkeit und Schwere von COPD-Exazerbationen sowie die Verbesserung des Gesundheitsstatus sowie der physischen Leistungsfähigkeit. Das therapeutische Spektrum beinhaltet eine Reihe nichtmedikamentöser, aber auch medikamentöser Massnahmen. Das Einstellen eines Zigarettenrauchens sollte mit entsprechenden Unterstützungsmassnahmen angestrebt werden.


Lungenentzündung (Pneumonie)

Die Lungenentzündung (Pneumonie) ist in Deutschland die häufigste zum Tode führende Infektionskrankheit, obwohl die Erkrankung bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung meist folgenlos ausheilt. Auslöser sind in den allermeisten Fällen Bakterien oder Viren (auch Grippe-Erreger). Das Risiko steigt mit zunehmendem Lebensalter deutlich an. Der Schweregrad der Erkrankung, der Verlauf und die Prognose sind sehr variabel, je nach Erreger und den Bedingungen, die der individuelle Patient oder die Patientin mitbringt, z.B. ob Begleiterkrankungen wie eine Immunschwäche vorliegen. Häufigste Symptome sind plötzliches Fieber, Husten und Atemnot sowie eine allgemeine Schwäche. Wenn entsprechende Symptome den Verdacht auf eine Lungenentzündung nahelegen, lässt sie sich meist recht zuverlässig durch eine Röntgenaufnahme der Lunge diagnostizieren. Wichtig ist die Erfassung des Schweregrades der Pneumonie und damit des Gefährdungspotenzials für die Erkrankten. Die Behandlung der bakteriellen Lungenentzündung erfolgt mit einem Antibiotikum, welches rasch gegeben werden sollte. Nach vier bis sechs Wochen sind bei der Mehrzahl der Betroffenen die meisten der akuten Krankheitssymptome abgeklungen. Eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit kann jedoch noch längere Zeit bestehen. Gegen den häufigsten Erreger der Lungenentzündung, Pneumokokken, stehen Impfstoffe zur Verfügung. Sie können das Risiko einer schwer verlaufenden Pneumokokkeninfektion deutlich vermindern.


Lungenkrebs

Lungenkrebs ist eine bösartige Neubildung, die von Zellen der unteren Atemwege ausgeht. Es ist die häufigste Ursache für Krebstodesfalle in Deutschland, Europa und weltweit. Bei gemeinsamer Betrachtung beider Geschlechter sterben an Lungenkrebs mehr Menschen als an Darm-, Brust- und Prostatakrebs zusammen. Bei Frauen ist der Lungenkrebs inzwischen die zweithäufigste Krebstodesursache (nach Brustkrebs). Etwa drei Viertel aller Patienten werden erst in fortgeschrittenen Tumorstadien erstmals mit der Erkrankung diagnostiziert. Damit einher geht eine geringe 5-Jahres-Uberlebensrate von etwa 15 % bei Männern und 21 % bei Frauen. Häufigste Ursache ist das Zigarettenrauchen oder andere inhalative Schadstoffe. Bei etwa 30% der Erkrankten lässt sich jedoch keine Ursache zuordnen. Die Identifizierung spezifischer molekularer Veränderungen beim Lungenkrebs sowie Erkenntnisse der Tumorimmunologie haben zur rapiden Entwicklung von neuen, „zielgerichteten“ medikamentösen Therapien geführt. Eine Vielzahl von genetischen Veränderungen wurden inzwischen gefunden, die den malignen Prozess antreiben (onkogene Treibermutationen). Dies hat entscheidende Auswirkungen auf die Therapieentscheidung. So läßt sich mit modernen Therapieverfahren, auch in Kombination, in zunehmendem Maße der Lungenkrebs selbst im metastasierten Zustand heutzutage in eine chronische Erkrankung mit guter Lebensqualität überführen.


Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS), obstruktive Schlafapnoe (OSA)

Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS), in erster Linie die obstruktive Schlafapnoe (OSA), sind weit verbreitete Erkrankungen und häufig nicht erkannt. Die nächtlichen Ereignisse mit flacher Atmung, Atempausen oder Schnarchen sind mit Verminderung der Sauerstoffsättigung im Blut, Weckreaktionen und Tagessymptomatik verbunden und stellen einen Risikofaktor für kardiovaskulare Folgeerkrankungen dar. Ursache der obstruktiven Schlafapnoe ist eine im Schlaf auftretende Einengung der oberen Atemwege, überwiegend im Bereich des Schlundes und des Zungengrundes. Eine Assoziation zu Übergewicht ist häufig gegeben, die Erkrankung kann aber auch bei Normalgewichtigen auftreten. Leitsymptome der OSA sind das Schnarchen, fremdbeobachtete Atemstörungen und Tagesschläfrigkeit. Diese typische Konstellation tritt jedoch bei weniger als der Hälfte der Betroffenen auf. Weitere Symptome können nicht erholsamer Schlaf, Ein- und Durchschlafstörungen, Beeinträchtigungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Kognition sein. Die obstruktive Schlafapnoe ist mit einem erhöhten Risiko für Unfälle im Strassenverkehr oder am Arbeitsplatz verbunden. Darüber hinaus ist sie mit einem signifikant erhöhten Risiko für kardiovaskulare Folgeerkrankungen, Diabetes mellitus und maligne Erkrankungen assoziiert. SBAS und OSA werden werden in einer Untersuchung mit Messungen des Schlafes und der Atmung (Polysomnografie) oder alleiniger Messung kardiorespiratorischer Parameter (Polygrafie) objektiviert. Die wirksamste Therapie der OSA ist eine nächtliche Überdruck-Maskenbehandlung.


Interstitielle Lungenerkrankungen, Lungenfibrose

Diese Gruppe von Lungenerkrankungen ist sehr unterschiedlich in Bezug auf Ursachen, den Verlauf und die Therapiemöglichkeiten. Ihre Gemeinsamkeit besteht darin, dass die hauptsächlich betroffenen Strukturen der Lunge im Lungengerüst, dem Interstitium, zu finden sind. Nicht alle interstitiellen Lungenerkrankungen führen zu einer Fibrose. Als Lungenfibrose bezeichnet man den Umbau der Lunge durch Bindegewebe, wodurch es zur unterschiedlich ausgeprägten Funktionsbeeinträchtigung des Organs kommt. Bei einer Reihe von interstitiellen Lungenerkrankungen lassen sich Ursachen identifizieren wie Stäube, Allergene oder Medikamente. Bei anderen wiederum sind bislang keine Ursachen auffindbar. Die häufigste dieser Form ist die sog. Idiopathische Lungenfibrose, eine Erkrankung mit ungünstiger Prognose. Auch tritt bei einer Reihe von Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis eine Beteiligung der Lungen in Form einer interstitiellen Lungenerkrankung oder Lungenfibrose auf. Die Diagnostik ist daher in erster Linie auf die Identifizierung möglicher Ursachen gerichtet, um eine kausale Therapie einzuleiten. In anderen Fällen bzw. bei fortschreitender Erkrankung stehen Medikamente zur Verfügung, die den Erkrankungsprozess verzögern können.


Sarkoidose

Die Sarkoidose ist eine chronische, gutartige Erkrankung, die durch granulomartige Entzündungen in verschiedenen Organen, am häufigsten in der Lunge und den thorakalen Lymphknoten, charakterisiert ist. Nicht selten fällt die Erkrankung in einer Computertomografie der Lunge auf. Symptome können Husten und/oder Atemnot sein sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl. In vielen Fällen ist keine Therapie notwendig, da die Erkrankung nicht fortschreitet oder zum Erliegen kommt. Die Entscheidung bezüglich einer Therapie ist abhängig von der Symptomatik, dem Organbefall bzw. möglichen Funktionseinbußen und muß immer individuell abgewogen werden.



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